1Physiotherapiepraxis verkaufen: Geht die Kassenzulassung mit über?
Beim Verkauf der Praxis selbst geht die Kassenzulassung nicht auf den Käufer über. Nach dem Physiotherapie-Vertrag endet sie bei Aufgabe, Verlegung oder Verkauf der Praxis, und der Käufer braucht eine eigene. Bleibt die Praxis in ihren Räumen, prüft die Arbeitsgemeinschaft bei ihm nur die persönlichen Voraussetzungen und die Pflichtausstattung, nicht die Räume.
Heilmittel wie Physiotherapie dürfen an gesetzlich Versicherte nur zugelassene Leistungserbringer abgeben (§ 124 Abs. 1 SGB V). Die Zulassung setzt die Berufserlaubnis oder einen vergleichbaren akademischen Abschluss, eine zweckmäßige und wirtschaftliche Praxisausstattung und die Anerkennung der bundesweiten Verträge nach § 125 Abs. 1 SGB V voraus; fehlt dem Inhaber die Ausbildung, dürfen nach dem Vertrag nur qualifizierte Kräfte behandeln. Eigene Versorgungsverträge der Praxis, die sich mitverkaufen ließen, gibt es nicht. Entschieden wird weder von einer Kassenärztlichen Vereinigung noch von einem Zulassungsausschuss, sondern von einer Arbeitsgemeinschaft, die die Landesverbände der Krankenkassen und die Ersatzkassen bilden, mit Wirkung für alle Kassen.
Anders beim Anteilskauf (Share Deal): Werden Personen in eine Praxis-GmbH oder Personengesellschaft aufgenommen oder scheiden aus, endet die Zulassung nicht; sie endet aber, wenn die Rechtsform wechselt, und eine Personengesellschaft erlischt, wenn nur ein Gesellschafter bleibt. Zulassungsrelevante Änderungen sind unaufgefordert mindestens zwei Wochen vorher anzuzeigen. Einen Praxissitz mit Nachbesetzungsverfahren wie bei Vertragsärzten kennen die Vorschriften für Heilmittel nicht.
2Physiopraxis kaufen: Wer darf eine Physiotherapiepraxis übernehmen?
Zulassungsinhaber kann auch werden, wer selbst keine Therapeutenausbildung hat, als Privatperson ebenso wie als GmbH oder Personengesellschaft. Der Physiotherapie-Vertrag verlangt dann, dass eine angestellte Fachkraft der Arbeitsgemeinschaft als fachliche Leitung benannt wird und nur qualifizierte Kräfte behandeln. Dasselbe gilt für Inhaber, die in der Praxis nicht selbst arbeiten. Die Fortbildungspflicht von 60 Punkten in vier Jahren, ein Punkt zu 45 Minuten, trifft den Zugelassenen oder die fachliche Leitung.
Mit eigener Qualifikation zugelassen werden nach dem Vertrag Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten, Krankengymnasten, Masseure sowie Masseure und medizinische Bademeister, jeweils mit Erlaubnis nach dem Masseur- und Physiotherapeutengesetz. Diese Erlaubnis setzt unter anderem eine abgeleistete Ausbildung und eine bestandene staatliche Prüfung voraus. Eine Mindestzahl an Berufsjahren nennen Vertrag und Zulassungsvoraussetzungen nicht.
An die Praxis stellt der Vertrag feste Maße: mindestens 23 m² Therapiefläche, davon ein Bereich von mindestens 15 m² und einer von mindestens 8 m², für jeden weiteren gleichzeitig tätigen Therapeuten weitere 8 m², bei einer lichten Höhe von mindestens 2,40 m. Zur Pflichtausstattung gehören unter anderem zwei höhenverstellbare Behandlungsliegen. Außerdem muss die Praxis maßgeblich für gesetzlich Versicherte zur Verfügung stehen, und das tut sie bei Öffnung an mindestens drei Tagen und 25 Stunden je Woche.
3Physiotherapiepraxis übernehmen: Ablauf, Dauer und Abrechnung
Der Käufer beantragt seine Zulassung bei der für das Bundesland der Praxis zuständigen Arbeitsgemeinschaft. Einzureichen sind nach dem Physiotherapie-Vertrag unter anderem die Urkunde über die Berufsbezeichnung, der Nachweis über Eigentum oder das Recht zur Nutzung der Praxisräume, eine Raumskizze mit Fläche und Deckenhöhe je Raum, eine Geräteaufstellung und bei Gesellschaften ein Registerauszug.
Eine bundeseinheitliche Bearbeitungsfrist nennen weder Gesetz noch Vertrag. Die Landesvertretung Berlin/Brandenburg des Verbands der Ersatzkassen nennt für Berlin einen Vorlauf von etwa sechs bis acht Wochen vor der beabsichtigten Praxiseröffnung für die Unterlagen; ein Anspruch auf rückwirkende Zulassung ist danach ausgeschlossen. Ohne Zulassung des Käufers am Übergabetag kann die Praxis Kassenpatienten also nicht weiter abrechnen.
Der Verkäufer meldet sein Institutionskennzeichen nach dem Ende seiner Zulassung ab, stillgelegt wird es aber erst nach Abrechnung aller Leistungen. Läuft eine Verordnung über die Übergabe hinaus, ist die zweite Abrechnung mit einer Kopie der Verordnung möglich; Teilabrechnungen sind ausgeschlossen. Beanstandungen können die Krankenkassen innerhalb von neun Monaten geltend machen und Rückforderungen mit der nächsten Abrechnung verrechnen; für unerlaubte Handlungen wie die Abrechnung nicht erbrachter Leistungen gilt eine längere Frist. Bei einer Praxisgesellschaft ist auch eine schrittweise Übergabe möglich, weil Ein- und Austritte von Gesellschaftern die Zulassung nicht beenden; eine Personengesellschaft erlischt aber, wenn nur ein Gesellschafter bleibt (§ 712a BGB).
4Was ist eine Physiotherapiepraxis wert? Ablöse, Praxiswert und Kaufpreis
Ob Ablöse, Praxiswert oder Kaufpreis: Bezahlt werden bei einer Physiotherapiepraxis Sachwerte wie Liegen, Therapiegeräte und Einrichtung und der ideelle Wert, also die Chance, die Patienten der Praxis weiter zu behandeln. Einen gesetzlich oder amtlich festgelegten Faktor gibt es dafür nicht. Für freiberufliche Praxen hat der Bundesgerichtshof im Zugewinnausgleich die modifizierte Ertragswertmethode gebilligt, bei der ein Unternehmerlohn nach den individuellen Verhältnissen des Inhabers abgezogen wird. Zum übertragbaren Goodwill zählen Standort, Zusammensetzung der Patienten und Konkurrenzlage; Ruf und Ansehen des Inhabers hängen an seiner Person und gehen grundsätzlich nicht über.
Beim Verkauf der Praxis als Betrieb ist die Zulassung kein Kaufgegenstand, weil sie endet; beim Kauf von Anteilen einer Praxis-GmbH bleibt sie bei der Gesellschaft. Den Wert tragen vor allem die Menschen, die bleiben. Abrechnungserlaubnisse für Zertifikatsleistungen wie Manuelle Lymphdrainage oder Manuelle Therapie gelten ausschließlich für die Person, die die Weiterbildung absolviert hat; verlässt die einzige Lymphtherapeutin die Praxis, entfällt diese Position.
Hinzu kommt der Arbeitsmarkt: In der Fachkräfteengpassanalyse 2025 der Bundesagentur für Arbeit gelten Berufe in der Physiotherapie auf dem Niveau Spezialist mit einem Gesamtwert von 2,8 als Engpassberuf, und die Vakanzzeit der bei der Bundesagentur gemeldeten Stellen lag im Median bei 168 Tagen. Ob das Team die Übergabe mitträgt, wiegt für Käufer deshalb schwer.
5Patientenakten beim Praxisverkauf: Schweigepflicht und Datenschutz
Wird der Praxisbetrieb verkauft, geht die Patientenkartei nur mit Einwilligung der Patienten auf den Käufer über. Nach dem Beschluss der Datenschutzkonferenz vom 11.09.2024 wechseln Gesundheitsdaten dabei nur mit informierter und ausdrücklicher Einwilligung den Verantwortlichen, und Kaufinteressenten dürfen vor Vertragsschluss grundsätzlich keine personenbezogenen Daten erhalten. Für die Verhandlung bleiben anonymisierte Kennzahlen wie Behandlungszahlen, Verordnungsarten und Auslastung. Akten früherer Patienten kann der Käufer nach dem Beschluss im Auftrag des Verkäufers strikt getrennt und allein zur Erfüllung der Aufbewahrungsfrist verwahren (Zwei-Schrank-Lösung), oder sie bleiben beim Verkäufer; für eigene Zwecke nutzen darf der Käufer sie erst mit Einwilligung. Wird eine Praxis-GmbH über ihre Anteile verkauft, bleibt die Gesellschaft Verantwortliche; die Akten wechseln dann nicht den Inhaber.
Aufzubewahren sind die Akten zehn Jahre nach Abschluss der Behandlung, soweit andere Vorschriften nichts anderes bestimmen (§ 630f Abs. 3 BGB); die Gesetzesbegründung zum Patientenrechtegesetz nennt Physiotherapeuten ausdrücklich unter den Behandelnden.
Hinzu kommt die Schweigepflicht: Nach § 203 Abs. 1 Nr. 1 StGB macht sich strafbar, wer als Angehöriger eines Heilberufs mit staatlich geregelter Ausbildung ein ihm anvertrautes fremdes Geheimnis unbefugt offenbart. Physiotherapeuten, Ergotherapeuten und Logopäden fallen nach ihrer staatlich geregelten Ausbildung unter diesen Wortlaut, und die Bundesregierung hat sie im Gesetzgebungsverfahren zum Patientenrechtegesetz zu den anderen Heilberufen gezählt.
6Physiotherapiepraxis verkaufen: Mitarbeiter, Mietvertrag und Kaufvertrag
Wird die Praxis als Betrieb übertragen (Asset Deal), gehen die Arbeitsverhältnisse nach § 613a BGB auf den Käufer über; eine Kündigung wegen des Übergangs ist unwirksam. Alle Beschäftigten der Praxis werden vorher in Textform unterrichtet und können innerhalb eines Monats nach Zugang einer ordnungsgemäßen Unterrichtung schriftlich widersprechen; bei fehlerhafter Unterrichtung beginnt die Frist nicht. Für Verpflichtungen, die vor dem Übergang entstanden sind und binnen eines Jahres danach fällig werden, haftet der Verkäufer neben dem Käufer. Beim Kauf von Anteilen einer Praxis-GmbH bleibt die Gesellschaft Arbeitgeberin; ein Betriebsübergang liegt nach dem Bundesarbeitsgericht nicht vor. Ist eine angestellte Therapeutin als fachliche Leitung benannt, braucht ein fachfremder Käufer sie oder eine Nachfolgerin.
Ohne Erlaubnis des Vermieters darf der Mieter die Räume keinem Dritten überlassen (§ 540 Abs. 1 BGB), und der Eintritt des Käufers in den Mietvertrag setzt die Mitwirkung des Vermieters voraus; beim Anteilskauf bleibt die Praxis-GmbH Mieterin.
Notariell beurkundet werden muss der Kaufvertrag, wenn ein Grundstück mitverkauft wird (§ 311b Abs. 1 BGB) oder GmbH-Anteile abgetreten werden (§ 15 Abs. 3 und 4 GmbHG). Möglich ist, den Kauf unter die aufschiebende Bedingung zu stellen, dass der Käufer zugelassen wird; seine Wirkung tritt dann erst mit der Zulassung ein (§ 158 Abs. 1 BGB). Regelungsbedarf besteht außerdem bei Verwahrung und Einwilligungen für die Patientenakten, laufenden Verordnungen und Beanstandungen der Kassen innerhalb der Neunmonatsfrist.
7Ergotherapiepraxis oder Logopädiepraxis verkaufen: Was anders gilt
Ergotherapie- und Logopädiepraxen folgen derselben Grundordnung wie Physiotherapiepraxen, beim Verkauf weichen die Verträge aber ab. Gemeinsam sind die Zulassung durch die Arbeitsgemeinschaft nach § 124 SGB V, die Anerkennung der Verträge nach § 125 Abs. 1 SGB V und eine Berufsqualifikation: für Ergotherapeuten die Erlaubnis nach dem Ergotherapeutengesetz, für Logopäden die nach dem Logopädengesetz. Die Logopädie heißt im Vertrag Stimm-, Sprech-, Sprach- und Schlucktherapie.
Bei einem Verkauf ohne Verlegung weist der neue Inhaber nach dem Ergotherapie-Vertrag für die Zulassung nur Qualifikation und Mindestausstattung nach; für die Räume besteht Bestandsschutz. Verlangt werden mindestens 20 m² Therapiefläche und je Therapeut ein Raum von mindestens 12 m², der entfällt, wenn sich die Therapiezeiten nicht überschneiden.
Der Logopädie-Vertrag regelt den Praxisverkauf nicht ausdrücklich. Die Zulassung erhält auf Antrag, wer die Anforderungen erfüllt; nach dieser Systematik braucht ein Käufer eine eigene Zulassung. Zugelassen werden neben Logopäden etwa staatlich anerkannte Sprachtherapeuten sowie Atem-, Sprech- und Stimmlehrer; der Behandlungsraum misst mindestens 20 m², für jeden weiteren gleichzeitig tätigen Therapeuten kommt ein Raum von mindestens 12 m² hinzu, und eine fachliche Leitung darf höchstens zwei Standorte verantworten. Als Engpassberufe führt die Bundesagentur für Arbeit in ihrer Analyse 2025 auf Spezialistenniveau auch Ergotherapie (2,7; Median-Vakanzzeit 90 Tage) und Sprachtherapie (2,5; 141,5 Tage).