Branchen-Ratgeber

Praxis verkaufen

Der Verkauf einer Praxis folgt anderen Regeln als der Verkauf eines gewerblichen Unternehmens. Bei vertragsärztlichen Sitzen in gesperrten Planungsbereichen entscheidet nicht allein der Verkäufer, wer nachfolgt: Die Übergabe läuft über ein förmliches Verfahren, und ein medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) kann auf zwei gesetzlich geregelten Wegen zum Käufer werden. Wer ein MVZ selbst verkaufen will, überträgt dagegen Gesellschaftsanteile oder einzelne Werte, und das Gesetz knüpft an die Trägerschaft eigene Voraussetzungen. Patientenakten unterliegen der Schweigepflicht und gehen deshalb nicht pauschal mit über. Diese Seite ordnet das ein und grenzt ab, wo diese Regeln gelten und wo nicht.

Im Detail

Worauf es in dieser Branche ankommt

In gesperrten Planungsbereichen entscheidet ein Verfahren, nicht der Verkäufer

Ist ein Planungsbereich wegen Überversorgung für Neuzulassungen gesperrt, kann ein Vertragsarztsitz nicht frei verkauft werden. Die Kassenärztliche Vereinigung schreibt den Sitz auf Antrag aus, Bewerber melden sich, und der Zulassungsausschuss wählt unter ihnen nach gesetzlich vorgegebenen Kriterien aus. Dazu zählen unter anderem berufliche Eignung, Approbationsalter und Dauer der ärztlichen Tätigkeit. Der abgebende Arzt hat darauf nur begrenzten Einfluss. Seine wirtschaftlichen Interessen sind nur bis zur Höhe des Verkehrswerts der Praxis zu berücksichtigen.

Vorgelagert entscheidet der Zulassungsausschuss allerdings überhaupt erst darüber, ob nachbesetzt wird: Hält er die Nachbesetzung aus Versorgungsgründen für nicht erforderlich, kann er den Antrag ablehnen. Hat der Landesausschuss festgestellt, dass der bedarfsgerechte Versorgungsgrad um 40 Prozent überschritten ist, soll er ihn in diesem Fall ablehnen. An die Stelle eines Verkaufs tritt dann eine Entschädigung in Höhe des Verkehrswerts. Ablehnen darf er in beiden Fällen nicht, wenn der Nachfolger Ehegatte, Lebenspartner oder Kind des Abgebers ist oder grundsätzlich mindestens drei Jahre bei ihm angestellt war oder die Praxis mit ihm gemeinsam betrieben hat; weitere Ausnahmen ergeben sich aus § 103 Abs. 3a SGB V. Praktisch bedeutet das: Der Kaufvertrag mit einem Wunschnachfolger bleibt davon abhängig, dass dieser im Verfahren tatsächlich zum Zuge kommt.

Praxis an ein MVZ oder einen Investor verkaufen

Eine Zulassung zur vertragsärztlichen Versorgung erhalten nur Ärzte, Psychotherapeuten und medizinische Versorgungszentren (MVZ). Als Gründer eines MVZ lässt § 95 Abs. 1a SGB V nur bestimmte Träger zu, darunter zugelassene Ärzte und Krankenhäuser; einen Investor kennt das SGB V nicht, ebenso wenig den Begriff Investoren-MVZ. Fortführen kann eine Kassenpraxis deshalb kein Kapitalgeber selbst. Für gesperrte Planungsbereiche regelt das Gesetz zwei Wege zum MVZ.

Beim Verzicht zugunsten einer Anstellung gibt der Arzt seine Zulassung auf und arbeitet im MVZ als Angestellter weiter. Der Zulassungsausschuss hat die Anstellung zu genehmigen, wenn Gründe der vertragsärztlichen Versorgung nicht entgegenstehen; eine Ausschreibung entfällt, und das MVZ kann die Arztstelle später grundsätzlich nachbesetzen. Die Anstellung muss nach dem Bundessozialgericht eine abhängige Beschäftigung sein, entschieden für zwei hälftig beteiligte Gesellschafter einer MVZ-GbR.

Im zweiten Weg bewirbt sich das MVZ im Nachbesetzungsverfahren um den Sitz und führt die Praxis mit einem angestellten Arzt weiter. Liegt die Mehrheit der Anteile und Stimmrechte nicht bei Ärzten, die im MVZ als Vertragsärzte tätig sind, ist es nachrangig: Es erhält nur den Zuschlag, wenn sich kein anderer geeigneter Bewerber meldet. Ausgenommen sind MVZ, die am 31.12.2011 zugelassen waren und deren Mehrheit schon damals so verteilt war. In offenen Planungsbereichen gelten beide Sonderregeln nicht; dort ist die Anstellung im MVZ grundsätzlich zu genehmigen.

MVZ verkaufen: Wer die Anteile übernehmen darf

Beim Anteilskauf (Share Deal) übernimmt der Käufer eines MVZ Anteile der Trägergesellschaft. Zugelassen ist das MVZ, nicht der einzelne Gesellschafter; als Gründe für das Ende seiner Zulassung nennt das Gesetz Verzicht, Auflösung, Fristablauf und Wegzug, einen Gesellschafterwechsel nicht. Maßgeblich bleibt aber der Gründerkreis: zugelassene Ärzte und Krankenhäuser sowie Kommunen, daneben anerkannte Praxisnetze, bestimmte gemeinnützige Träger und, nur fachbezogen, Erbringer nichtärztlicher Dialyseleistungen. Liegen die Gründungsvoraussetzungen länger als sechs Monate nicht mehr vor, ist dem MVZ die Zulassung zu entziehen; für MVZ, die schon am 1. Januar 2012 zugelassen waren, gelten Bestandsschutzregeln. Käufer prüfen deshalb, ob die Trägerstruktur danach noch passt. Gründer bleiben auch Ärzte, die zugunsten ihrer Anstellung im MVZ verzichtet haben, solange sie dort tätig und Gesellschafter sind. Übernehmen dort angestellte Ärzte die Anteile ärztlicher Gründer, bleibt die Voraussetzung erfüllt, solange sie dort tätig sind.

Bei einer MVZ-GmbH sind Kaufvertrag und Abtretung der Geschäftsanteile notariell zu beurkunden; der Gesellschaftsvertrag kann die Abtretung an eine Genehmigung der Gesellschaft knüpfen. Zudem verlangt das Gesetz Sicherheiten der Gesellschafter für Forderungen von Kassenärztlicher Vereinigung und Krankenkassen.

Beim Verkauf einzelner Werte (Asset Deal) an ein anderes MVZ braucht jede Anstellung dort die Genehmigung des Zulassungsausschusses. Sind für die Arztgruppe Zulassungsbeschränkungen angeordnet, ist der Antrag grundsätzlich abzulehnen; Arztstellen gehen also nicht schon mit dem Kaufvertrag über.

Patientenakten dürfen nicht einfach mitverkauft werden

Ärztinnen und Ärzte unterliegen der Schweigepflicht; deren Verletzung ist nach § 203 StGB strafbewehrt. Hinzu kommen die Anforderungen der Datenschutz-Grundverordnung an Gesundheitsdaten. Eine pauschale Übergabe der Kartei an den Nachfolger ist daher nicht zulässig. Als Lösung gilt die getrennte Verwahrung, in der Praxis als Zwei-Schrank-Modell bekannt: Die Altakten bleiben verschlossen und getrennt, und der Nachfolger darf auf eine Akte erst zugreifen, wenn die betroffene Person eingewilligt hat.

Die Muster-Berufsordnung verlangt von Ärztinnen und Ärzten, denen bei einer Praxisübergabe Aufzeichnungen in Obhut gegeben werden, sie unter Verschluss zu halten und nur mit Einwilligung der Patientin oder des Patienten einzusehen oder weiterzugeben (§ 10 Abs. 4 MBO-Ä). Wer die Praxis ohne Nachfolger aufgibt, bewahrt die Aufzeichnungen selbst auf oder gibt sie in gehörige Obhut. Verbindlich ist die Berufsordnung der jeweiligen Landesärztekammer.

Wie Praxen bewertet werden

Für Arztpraxen hat sich eine eigene Bewertungspraxis herausgebildet, die zwischen dem Substanzwert (Geräte, Einrichtung, Vorräte) und dem ideellen Wert unterscheidet, also dem Wert des eingeführten Patientenstamms und der Marktstellung. Die von den ärztlichen Körperschaften herausgegebene Methode berechnet den ideellen Wert aus dem um einen kalkulatorischen Arztlohn bereinigten Ergebnis und begrenzt ihn zeitlich, weil sich der Einfluss des abgebenden Arztes nach einigen Jahren verliert. Das unterscheidet die Praxisbewertung deutlich vom gewerblichen Multiplikatorverfahren, das keine solche Befristung kennt. Zahlen aus branchenfremden Rechnern lassen sich deshalb nicht ohne Weiteres auf eine Praxis übertragen.

Nicht jedes Gesundheitsunternehmen ist eine Arztpraxis

Die beschriebenen Regeln gelten für vertragsärztliche Praxen und entsprechend für psychotherapeutische Praxen mit Kassenzulassung (§ 72 Abs. 1 S. 2 SGB V). Für Zahnärzte schließt § 103 Abs. 8 SGB V Zulassungsbeschränkungen und Nachbesetzungsverfahren ausdrücklich aus. Für andere Unternehmen im Gesundheitsmarkt gilt weitgehend gewöhnliches Gesellschafts- und Vertragsrecht: Ambulante Pflegedienste, Sanitätshäuser, Physio-, Ergo- und Logopädiepraxen oder medizinnahe Dienstleister werden im Kern wie andere mittelständische Unternehmen übertragen. Berufsrechtliche Vorgaben, Zulassungen und Verträge mit Kostenträgern gehören dort zu den Punkten, die Käufer prüfen; bei einer Physiotherapiepraxis endet die Kassenzulassung nach dem bundesweiten Physiotherapie-Vertrag mit dem Verkauf der Praxis, und der Käufer braucht eine eigene, während ein Gesellschafterwechsel in einer Praxisgesellschaft sie nicht beendet. Laborärztliche Praxen mit Kassenzulassung gehören dagegen zur Bedarfsplanung, in der Laborärzte eine eigene Arztgruppe bilden.

Auch ohne Kassenzulassung bleibt die Berufsausübung an Voraussetzungen gebunden. Rein privatärztliche Praxen unterliegen nicht dem Nachbesetzungsverfahren; Schweigepflicht und Datenschutz gelten dort unverändert, ebenso die Pflicht, Aufzeichnungen nach der Praxisabgabe aufzubewahren. Wer ohne ärztliche Approbation eine Heilpraktikerpraxis übernimmt und dort selbst behandeln will, braucht eine eigene Erlaubnis nach § 1 Abs. 1 Heilpraktikergesetz; der Kauf der Praxis ersetzt sie nicht.

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Diese Bandbreite gilt für gewerbliche Unternehmen des Gesundheitsmarkts (etwa Pflegedienste oder Sanitätshäuser). Für vertragsärztliche Praxen ist sie nicht einschlägig: Dort wird nach Substanzwert und zeitlich begrenztem ideellem Wert bewertet, wie weiter unten beschrieben.

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Käufersicht

Worauf Käufer schauen

Diese Punkte prüfen Interessenten früh — und sie entscheiden häufig darüber, wie ernst aus einem ersten Gespräch eine Verhandlung wird.

  • Ob der Planungsbereich gesperrt ist und ein Verfahren erforderlich wird
  • Zusammensetzung des Patientenstamms und Anteil der Privatleistungen
  • Alter und Zustand der medizintechnischen Ausstattung
  • Mietvertrag der Praxisräume und deren Barrierefreiheit
  • Ob eine Übergangsphase mit dem abgebenden Arzt vorgesehen ist
  • Bei einem MVZ als Käufer: ob es im Nachbesetzungsverfahren nachrangig wäre
Fragen und Antworten

Häufige Fragen

Kann ich meinen Kassensitz frei an eine Wunschnachfolgerin verkaufen?

Nur in offenen Planungsbereichen: Dort gibt es kein Nachbesetzungsverfahren, und die Käuferin beantragt ihre Zulassung selbst, denn die Nachbesetzungsregeln in § 103 Abs. 3a und 4 SGB V setzen angeordnete Zulassungsbeschränkungen voraus. Ist der Bereich wegen Überversorgung gesperrt, entscheidet der Zulassungsausschuss nach einer Ausschreibung anhand gesetzlicher Kriterien, wer den Sitz erhält. Ihr Wunschkandidat kann sich bewerben, hat aber keinen Anspruch auf Zuschlag. Der Kaufvertrag bleibt deshalb davon abhängig, dass die Zulassung tatsächlich erteilt wird. Ohne Ausschreibung geht es dort nur, wenn Sie auf Ihre Zulassung verzichten, um bei einer Vertragsärztin oder in einem MVZ angestellt weiterzuarbeiten; diese Anstellung muss der Zulassungsausschuss genehmigen (§ 103 Abs. 4a und 4b SGB V).

Nachbesetzungsverfahren

Kann ich einen Kassensitz ohne Praxis verkaufen?

Nein, verkäuflich ist nach dem Bundessozialgericht die Arztpraxis, nicht der Vertragsarztsitz. Ein Nachbesetzungsverfahren setzt eine Praxis voraus, die sich fortführen lässt. Sind alle Ärzte gekündigt und die Räume abgegeben, fehlt dem Verfahren die Grundlage; eine Nachbesetzung ohne Praxis diente nach dem Urteil einer vom Gesetzgeber nicht gewollten Kommerzialisierung des Sitzes. Auch bei einer fortführungsfähigen Praxis zählen die wirtschaftlichen Interessen des Abgebers im Verfahren nur, soweit der Kaufpreis den Verkehrswert der Praxis nicht übersteigt. Ein Aufschlag allein für die Zulassung findet im Verfahren daher keine Stütze. Auch der Verzicht zugunsten einer Anstellung im MVZ setzt voraus, dass der Arzt dort selbst tätig wird (§ 103 Abs. 4a SGB V).

Kann ich eine Psychotherapie-Praxis mit Kassensitz verkaufen?

Ja, nach denselben Regeln wie eine Arztpraxis: Für Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten mit Kassenzulassung gelten die Vorschriften für Ärzte entsprechend (§ 72 Abs. 1 S. 2 SGB V). Sie bilden mit den überwiegend oder ausschließlich psychotherapeutisch tätigen Ärzten eine eigene Arztgruppe der Bedarfsplanung, und Zulassungsbeschränkungen werden je Arztgruppe angeordnet. Ob der Verkauf über das Nachbesetzungsverfahren läuft, hängt also an der Sperre für diese Gruppe, nicht an der für andere Fachgruppen. Das Verfahren gilt auch beim Verzicht auf die Hälfte der Zulassung. Bewerben kann sich, wer im Arztregister eingetragen ist: mit Approbation und abgeschlossener Weiterbildung oder, bei einer Approbation nach dem bis 31.08.2020 geltenden Psychotherapeutengesetz, mit Fachkundenachweis.

Kann ich meine Praxis an einen Investor verkaufen?

Nicht unmittelbar: Eine Zulassung zur vertragsärztlichen Versorgung erhalten nur Ärzte, Psychotherapeuten und MVZ. Wer ein MVZ gründen darf, zählt § 95 Abs. 1a SGB V auf, darunter Ärzte, Krankenhäuser und Kommunen; Investoren als solche nennt die Vorschrift nicht. Von investorengetragenen MVZ sprechen politische Papiere wie ein Länderantrag im Bundesrat von 2023; das SGB V verwendet den Begriff nicht. In gesperrten Planungsbereichen führt der Weg zum MVZ über den Verzicht zugunsten einer Anstellung oder über die Bewerbung des MVZ im Nachbesetzungsverfahren. Dort kommt ein MVZ, dessen Anteils- und Stimmenmehrheit nicht bei seinen Vertragsärzten liegt, nur zum Zug, wenn kein anderer geeigneter Bewerber da ist; ausgenommen sind MVZ, die schon am 31.12.2011 mit dieser Mehrheitsverteilung zugelassen waren.

Finanzinvestor

Was ist der Unterschied zwischen Praxis an ein MVZ verkaufen und MVZ verkaufen?

Im ersten Fall ist das MVZ Käufer, im zweiten ist es der Kaufgegenstand. Beim Verkauf an ein MVZ gibt eine Ärztin ihre Praxis an einen Träger ab, der sie mit angestellten Ärzten weiterführt; in gesperrten Planungsbereichen über den Verzicht zugunsten einer Anstellung oder die Bewerbung des MVZ im Nachbesetzungsverfahren (§ 103 Abs. 4a und 4c SGB V). Wer ein MVZ verkauft, überträgt Anteile der Trägergesellschaft oder einzelne Werte. Die Zulassung hängt am MVZ. Erfüllt die Trägerstruktur die Gründungsvoraussetzungen länger als sechs Monate nicht mehr, ist die Zulassung zu entziehen (§ 95 Abs. 6 S. 3 SGB V).

Share Deal

Darf ich meine Patientenkartei mit übergeben?

Nicht ohne Weiteres. Wegen der ärztlichen Schweigepflicht und der Vorgaben der Datenschutz-Grundverordnung ist eine pauschale Übergabe unzulässig. Üblich ist die getrennte Verwahrung der Altakten, auf die der Nachfolger erst nach Einwilligung der jeweiligen Patientin oder des jeweiligen Patienten zugreifen darf. Wer die Akten in Obhut nimmt, hält sie nach der Muster-Berufsordnung unter Verschluss. Die konkrete Ausgestaltung regelt der Kaufvertrag.

Wie lange muss ich Patientenakten nach der Praxisabgabe aufbewahren?

Zehn Jahre nach Abschluss der Behandlung, soweit keine andere gesetzliche Frist besteht (§ 630f Abs. 3 BGB, § 10 Abs. 3 MBO-Ä). Mit der Praxisabgabe endet diese Frist nicht. Nach der Muster-Berufsordnung sind die Aufzeichnungen nach Aufgabe der Praxis aufzubewahren oder in gehörige Obhut zu geben. Wer sie bei einer Übergabe in Obhut nimmt, etwa der Nachfolger, hält sie unter Verschluss und darf sie nur mit Einwilligung der Patientin oder des Patienten einsehen oder weitergeben. Verbindlich ist die Berufsordnung der jeweiligen Landesärztekammer, deren Fassung von der Muster-Berufsordnung abweichen kann.

Wie wird der Wert einer Praxis ermittelt?

Getrennt nach Substanzwert und ideellem Wert. Der Substanzwert umfasst Geräte, Einrichtung und Vorräte. Der ideelle Wert wird aus dem um einen kalkulatorischen Arztlohn bereinigten Ergebnis abgeleitet und zeitlich begrenzt, weil der Einfluss des abgebenden Arztes mit den Jahren nachlässt. Das gewerbliche Multiplikatorverfahren, mit dem unser Rechner arbeitet, bildet diese Besonderheit nicht ab: Für Praxen liefert es allenfalls eine grobe Orientierung.

Die drei Bewertungsmethoden im Vergleich

Welche Steuern fallen beim Verkauf einer Arztpraxis an?

Überträgt die Ärztin die wesentlichen Grundlagen ihrer Praxis, vor allem Patientenstamm und Praxiswert, liegt eine Veräußerung nach § 18 Abs. 3 EStG vor. Nach Vollendung des 55. Lebensjahres oder bei dauernder Berufsunfähigkeit im sozialversicherungsrechtlichen Sinne bleiben auf Antrag einmalig 45.000 Euro steuerfrei, abschmelzend ab 136.000 Euro Gewinn. Für bis zu fünf Millionen Euro gibt es unter denselben Voraussetzungen einmal im Leben einen ermäßigten Steuersatz: 56 Prozent des durchschnittlichen Satzes, mindestens 14 Prozent. Für beides muss sie nach dem Bundesfinanzhof ihre Tätigkeit im bisherigen örtlichen Wirkungskreis für eine gewisse Zeit einstellen; als Angestellte der Käuferin weiterzuarbeiten, etwa im MVZ, ist grundsätzlich unschädlich. Für Anteile ab 1 Prozent an einer MVZ-GmbH gelten stattdessen § 17 EStG und das Teileinkünfteverfahren.

Freibetrag nach § 16 Abs. 4 EStG

Gelten diese Regeln auch für Pflegedienste oder Therapiepraxen?

Das Nachbesetzungsverfahren betrifft vertragsärztliche Sitze und entsprechend die Sitze von Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten mit Kassenzulassung; für Zahnärzte gilt es nicht (§ 72 Abs. 1 S. 2, § 103 Abs. 8 SGB V). Pflegedienste, Sanitätshäuser sowie Physio-, Ergo- und Logopädiepraxen werden im Kern wie andere mittelständische Unternehmen übertragen. Berufsrechtliche Anforderungen, Zulassungen und Verträge mit Kostenträgern prüfen Käufer aber auch dort.

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