Rhein-Main: dienstleistungsgeprägt und international
Rund um Frankfurt, Offenbach, Wiesbaden und Darmstadt dominieren Unternehmen, deren Wert kaum in Maschinen steckt: Beratungen, Kanzleien, IT-Dienstleister, Agenturen, Finanz- und Logistikunternehmen. Ihr Vermögen besteht aus Kundenbeziehungen, Verträgen, Verfahren und vor allem aus Menschen. Für den Verkauf hat das eine unmittelbare Folge: Käufer prüfen weniger den Anlagenbestand als die Frage, wie stabil die Erträge sind, wenn der Inhaber nicht mehr da ist. Wiederkehrende Umsätze, langfristige Rahmenverträge und eine zweite Führungsebene wiegen hier schwerer als jede Bilanzposition. Die internationale Prägung des Raums bringt zudem häufiger ausländische Käufer ins Spiel als in anderen Regionen.
Nord- und Mittelhessen: Industrie, Zulieferer, Handwerk
Jenseits des Ballungsraums prägt ein anderer Unternehmenstyp das Bild: produzierende Betriebe, Zulieferer, Werkstätten und Handwerksunternehmen, oft seit Generationen am selben Ort. Hier gilt vieles von dem, was für Flächenländer typisch ist — der Kreis lokaler Käufer ist kleiner, die Betriebsimmobilie gehört häufiger dem Inhaber persönlich, und die Suche nach einem Nachfolger sollte überregional angelegt werden. Die Nähe zum Rhein-Main-Gebiet ist dabei ein Vorteil, der oft unterschätzt wird: Käufer aus dem Ballungsraum sind bereit, für ein passendes Unternehmen eine überschaubare Entfernung in Kauf zu nehmen.
Wie Dienstleister ohne Anlagevermögen bewertet werden
Bei personengeprägten Dienstleistern führt der Blick in die Bilanz selten weit: Es gibt kaum Anlagevermögen, das man bewerten könnte. Maßgeblich ist deshalb die Ertragskraft, bereinigt um ein marktübliches Geschäftsführergehalt — gerade hier ist diese Bereinigung entscheidend, weil ein Inhaber, der sich wenig auszahlt, sonst ein Ergebnis ausweist, das ein angestellter Nachfolger nie erreichen würde. Zusätzlich schauen Käufer auf die Abhängigkeit von einzelnen Kunden und auf die Frage, wie viele Mandate oder Aufträge tatsächlich am Unternehmen hängen und nicht an der Person, die es führt. Genau diese Unterscheidung entscheidet über den Faktor.