SteuernVor allem für Verkäufer

Stille Reserven

Auch: stille Rücklagen · Aufdeckung stiller Reserven

Kurz gesagt

Stille Reserven sind der Unterschied zwischen dem Wert, mit dem ein Wirtschaftsgut in der Steuerbilanz steht, und seinem tatsächlichen Wert. Sie entstehen durch Abschreibungen, Wertsteigerungen und selbst aufgebaute Werte wie den Kundenstamm. Versteuert werden sie erst, wenn sie aufgedeckt werden, typischerweise beim Verkauf oder bei der Aufgabe des Betriebs.

Wie entstehen stille Reserven?

Die Bilanz zeigt nicht den Marktwert, sondern Anschaffungskosten abzüglich Abschreibungen. Eine Maschine, die nach acht Jahren voll abgeschrieben ist, steht mit einem Euro in den Büchern und bringt am Markt vielleicht noch 40.000 Euro. Ein Grundstück, das 1995 gekauft wurde, steht bis heute mit dem damaligen Preis darin.

Am größten ist die stille Reserve oft dort, wo gar nichts in der Bilanz steht: beim selbst aufgebauten Firmenwert. Kundenstamm, Ruf und eingespielte Abläufe dürfen nicht aktiviert werden, solange sie niemand bezahlt hat.

Stille Reserven und stille Rücklagen meinen dasselbe. Sie sind nichts Verbotenes, sondern die zwangsläufige Folge der Bilanzierungsregeln.

Wann werden stille Reserven versteuert?

Erst die Aufdeckung stiller Reserven löst die Steuer aus. Das geschieht beim Verkauf des Betriebs, denn der Kaufpreis bildet den Marktwert ab, und die Differenz zum Buchwert ist der Veräußerungsgewinn. Es geschieht ebenso bei der Betriebsaufgabe, wenn Wirtschaftsgüter ins Privatvermögen übernommen werden, und bei der Auflösung einer Betriebsaufspaltung, wo die Reserven im Grundstück und in den GmbH-Anteilen stecken.

Weil sich über Jahrzehnte angesammelte Reserven auf einen Schlag in einem einzigen Jahr zeigen, gibt es Vergünstigungen: den Freibetrag nach § 16 Abs. 4 EStG und die Fünftelregelung.

Wann stille Reserven nicht aufgedeckt werden

Wer seinen ganzen Betrieb unentgeltlich überträgt, etwa an ein Kind, deckt keine stillen Reserven auf. Das Einkommensteuergesetz schreibt dann die Fortführung der Buchwerte vor. Der Nachfolger übernimmt die Buchwerte und damit auch die stillen Reserven, die erst bei ihm versteuert werden, wenn er selbst verkauft oder aufgibt.

Auch die Betriebsverpachtung im Ganzen kann die Aufdeckung aufschieben, weil der Verpächter nicht zur Betriebsaufgabe gezwungen ist.

Was stille Reserven für Käufer bedeuten

Beim Asset Deal bezahlt der Käufer die Marktwerte und kann sie neu abschreiben. Die aufgedeckten Reserven werden bei ihm zur neuen Abschreibungsgrundlage, verteilt über die Kaufpreisallokation.

Beim Share Deal an einer GmbH bleiben die Reserven in der Gesellschaft verborgen. Sie werden erst versteuert, wenn die GmbH selbst Wirtschaftsgüter verkauft. Käufer rechnen diese spätere Steuerlast deshalb oft in den Preis ein.

Was das praktisch bedeutet

Für Verkäufer

Die Höhe der stillen Reserven bestimmt die Steuerlast des Verkaufs, nicht der Kaufpreis allein. Je älter und stärker abgeschrieben ein Betrieb ist, desto größer der Anteil des Kaufpreises, der als Gewinn versteuert wird. Das gehört früh in die Planung, weil der Zeitpunkt über die Vergünstigungen mitentscheidet.

Für Käufer

Beim Share Deal übernimmt der Käufer die Reserven und mit ihnen eine künftige Steuerlast der Gesellschaft. Beim Asset Deal werden sie zu seinem Vorteil, weil er auf die höheren Werte abschreiben kann.

Geprüft an der Quelle

  • Wird ein Betrieb, ein Teilbetrieb oder der Anteil eines Mitunternehmers an einem Betrieb unentgeltlich übertragen, so sind bei der Ermittlung des Gewinns des bisherigen Betriebsinhabers (Mitunternehmers) die Wirtschaftsgüter mit den Werten anzusetzen, die sich nach den Vorschriften über die Gewinnermittlung ergeben, sofern die Besteuerung der stillen Reserven sichergestellt ist […]

    § 6 Abs. 3 Satz 1 Einkommensteuergesetz

Verwandte Begriffe