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Substanzwert

Auch: Reproduktionswert · Substanzwertverfahren

Kurz gesagt

Der Substanzwert ist die Summe der Vermögensgegenstände eines Unternehmens abzüglich seiner Schulden. Betriebswirtschaftlich beziffert er, was der Nachbau des Betriebs heute kosten würde; das Steuerrecht setzt stattdessen Verkaufswerte an und nutzt ihn als Mindestwert. Als Kaufpreis taugt er selten, weil Kundenstamm, Ruf und eingespielte Abläufe darin fehlen.

Wie wird der Substanzwert ermittelt?

Gezählt wird, was da ist: Maschinen, Fahrzeuge, Werkzeuge, Vorräte, Forderungen, Grundstücke und Gebäude. Bewertet wird aber nicht zum Buchwert, sondern zu dem Betrag, den eine Wiederbeschaffung heute kosten würde, vermindert um Alter und Abnutzung. Davon werden sämtliche Schulden abgezogen. Fachleute nennen diesen Nachbauwert auch Reproduktionswert, das Vorgehen Substanzwertverfahren.

Der Unterschied zum Buchwert kann erheblich sein. Eine abgeschriebene Maschine steht mit einem Euro in der Bilanz und lässt sich trotzdem für 40.000 Euro wiederbeschaffen. Umgekehrt kann ein Fahrzeug, das erst zur Hälfte abgeschrieben ist, am Markt deutlich weniger bringen.

Warum er fast immer unter dem Kaufpreis liegt

Im Substanzwert steckt alles, was man anfassen kann, und nichts von dem, wofür ein Käufer eigentlich zahlt. Ein Betrieb mit 300 Stammkunden, eingearbeiteten Mitarbeitern und einem Namen, den die Region kennt, ist mehr wert als sein Maschinenpark. Diese Differenz zwischen Substanzwert und Kaufpreis hat einen eigenen Namen: Firmenwert.

Deshalb ist der Substanzwert für Dienstleister, Beratungen und Handwerksbetriebe mit wenig Anlagevermögen nahezu wertlos als Preisindikator. Je mehr der Erfolg an Menschen und Beziehungen hängt, desto weniger sagt die Substanz aus.

Ist der Substanzwert die Wertuntergrenze?

Nur mit Einschränkung. Die betriebswirtschaftliche Untergrenze bildet sein naher Verwandter, der Liquidationswert: Wenn ein Betrieb weniger erwirtschaftet, als seine Einzelteile beim Verkauf bringen, ist die Zerschlagung die wirtschaftlich vernünftigere Verwendung. Der Wert bemisst sich dann nach den Verkaufserlösen abzüglich Schulden, Abwicklungskosten und gegebenenfalls anfallender Steuern. Die Bundessteuerberaterkammer nennt den Liquidationswert in ihren Hinweisen zur Bewertung kleiner und mittelgroßer Unternehmen ausdrücklich die betriebswirtschaftliche Wertuntergrenze.

Der Bewertungsstandard des Handwerks lässt den Substanzwert als Wert gelten, wenn der Ertragswert unter dem Substanzwert liegt und der Betrieb mit seiner Substanz weitergeführt wird.

Das Steuerrecht schreibt eine eigene Untergrenze fest: Bei der Bewertung von Betriebsvermögen und von nicht börsennotierten Anteilen darf der Substanzwert nicht unterschritten werden. Das Bewertungsgesetz setzt dafür die gemeinen Werte an, also die Preise, die die einzelnen Wirtschaftsgüter bei einem Verkauf erzielen würden, abzüglich der Schulden. Das ist nicht dasselbe wie die Kosten eines Nachbaus. Das Handbuch des Handwerks weist ausdrücklich darauf hin, dass sein eigener Substanzwertbegriff enger gefasst ist.

Praktisch relevant werden diese Untergrenzen bei anlageintensiven Betrieben, bei Immobilienbesitz im Unternehmen und immer dann, wenn eine Betriebsaufgabe im Raum steht.

Was unterscheidet Substanzwert, Liquidationswert und Buchwert?

Drei Begriffe, die regelmäßig durcheinandergehen. Der Buchwert ist ein Rechenwert aus der Bilanz und folgt Abschreibungsregeln, nicht dem Markt. Der Substanzwert fragt, was ein Nachbau kosten würde, und unterstellt dabei die Fortführung. Der Liquidationswert fragt, was die Einzelteile bei einem Verkauf tatsächlich bringen, und liegt deshalb meist darunter, weil unter Zeitdruck verkauft wird.

Was das praktisch bedeutet

Für Verkäufer

Bei viel Anlagevermögen ist eine aktuelle Aufstellung mit Anschaffungsjahr, Restbuchwert und realistischem Zeitwert üblich. Sie beantwortet in der Prüfung eine ganze Fragenkette auf einmal und verhindert Schätzungen zu Lasten des Verkäufers.

Für Käufer

Was bei einem Fehlschlag übrig bleibt, beantwortet der Liquidationswert der Substanz. Gerade bei Fremdfinanzierung will die Bank genau das wissen, denn sie besichert ihr Darlehen an der Substanz und nicht am Ertrag.

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