BewertungVor allem für Verkäufer

Inhaberabhängigkeit

Auch: Key-Man-Risiko · Schlüsselpersonenrisiko · Abhängigkeit vom Inhaber

Kurz gesagt

Inhaberabhängigkeit beschreibt, wie stark ein Betrieb an der Person des Eigentümers hängt: an seinen Kundenbeziehungen, seinem Fachwissen und seiner Arbeitskraft. Im Bewertungsstandard der Handwerkskammern hat sie von allen Zuschlägen auf den Kapitalisierungszins das größte Gewicht, weil genau dieser Teil des Erfolgs nicht ohne Weiteres mitverkauft werden kann.

Was ein Käufer tatsächlich kauft

Wenn die wichtigsten Kunden wegen des Inhabers kaufen, wenn nur er die Angebote kalkuliert, wenn die Abläufe in seinem Kopf und nicht auf Papier stehen, dann kauft der Nachfolger weniger, als die Bilanz zeigt. Die Bundessteuerberaterkammer beschreibt das in ihren Hinweisen zur Bewertung kleiner und mittelgroßer Unternehmen nüchtern: Was eng an die Person des Eigentümers gebunden ist, verbraucht sich ohne sein weiteres Mitwirken im Zeitablauf. Im M&A-Jargon heißt die Abhängigkeit vom Inhaber auch Key-Man-Risiko oder Schlüsselpersonenrisiko; diese Begriffe sind allerdings weiter gefasst und schließen andere Schlüsselkräfte mit ein.

Daraus folgt der Preisabschlag. Und daraus folgt auch, warum Käufer bei stark inhabergeprägten Betrieben auf Earn-Out-Klauseln, längere Übergabezeiträume oder ein Verkäuferdarlehen drängen: Alle drei Instrumente verschieben einen Teil des Risikos zurück zum Verkäufer.

Wie stark mindert die Inhaberabhängigkeit den Wert?

Im Bewertungshandbuch des Handwerks ist die Inhaberabhängigkeit als eigener Zuschlag auf den Kapitalisierungszins abgebildet, getrennt von den übrigen Risikozuschlägen. Je höher der Zins, desto niedriger der Wert. In der dortigen Beispielrechnung macht sie 14 Prozentpunkte aus, mehr als die acht Risikozuschläge zusammen mit 10 Prozentpunkten; vorgesehen sind bis zu 30 Prozentpunkte.

Wichtig ist die Abgrenzung: Das Handbuch führt daneben einen Zuschlag für „Personenabhängigkeit", der andere Schlüsselpersonen meint, und warnt ausdrücklich davor, dort noch einmal die Inhaberabhängigkeit einzurechnen. Doppelt gezählt wird der Betrieb sonst grundlos billig.

Wie lässt sich die Inhaberabhängigkeit verringern?

Anders als Branche, Konjunktur oder Zinsniveau lässt sich die Inhaberabhängigkeit vom Verkäufer verändern, aber nicht kurzfristig. Was wirkt: eine zweite Führungsebene aufbauen, Kundenbeziehungen auf mehrere Schultern verteilen, Abläufe dokumentieren, Verträge schriftlich fixieren statt auf Zuruf zu arbeiten, Preiskalkulation nachvollziehbar machen.

Jeder dieser Schritte braucht Zeit. Zwei bis drei Jahre vor dem Verkauf ist der richtige Moment. Wer erst beim ersten Interessenten damit anfängt, kann die Abhängigkeit nur noch erklären, nicht mehr abbauen.

Was das praktisch bedeutet

Für Verkäufer

Der Abbau der Abhängigkeit wirkt stark auf den Preis, braucht aber Jahre Vorlauf. Wer früh anfängt, verschiebt die gesamte Bandbreite nach oben.

Für Käufer

Für Käufer ist die Frage, welche Beziehungen und welches Wissen übertragbar sind, der Kern der Prüfung. Sie bestimmt Preis, Übergabezeitraum und Absicherung im Vertrag.

Geprüft an der Quelle

Verwandte Begriffe