BewertungVor allem für Verkäufer

Bereinigtes EBIT

Auch: Normalisiertes EBIT · Adjusted EBIT · bereinigtes Ergebnis · EBIT-Bereinigung

Kurz gesagt

Das bereinigte EBIT ist das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern, nachdem private, einmalige und nicht marktübliche Posten korrigiert wurden, etwa durch den Ansatz eines marktüblichen Unternehmerlohns. Erst diese Zahl darf mit einem Faktor multipliziert werden. Weil die Bereinigung mit dem Faktor multipliziert wirkt, entscheidet sie über einen erheblichen Teil des Kaufpreises.

Warum der Jahresüberschuss nicht genügt

In inhabergeführten Betrieben ist der ausgewiesene Gewinn eine steuerlich optimierte Größe, keine Aussage über die Ertragskraft. Der Inhaber entnimmt ein Gehalt, das mit dem Markt wenig zu tun hat, das Firmenfahrzeug wird privat mitgenutzt, Angehörige stehen auf der Gehaltsliste, die Betriebsimmobilie gehört ihm selbst und wird zu einem selbst gewählten Mietzins vermietet. Nichts davon ist verwerflich, aber alles davon verfälscht den Blick auf das, was ein fremder Käufer künftig verdienen kann.

Die Bereinigung stellt diese Posten auf Marktkonditionen um. Sie ist kein Schönrechnen, denn sie wirkt in beide Richtungen. Ein Inhaber, der sich jahrelang kaum etwas ausgezahlt hat, sieht seinen Gewinn nach Ansatz eines marktüblichen Unternehmerlohns sinken. Wer umgekehrt private Kosten über die Firma laufen lässt, sieht ihn steigen.

Was wird üblicherweise bereinigt?

Im Englischen heißt die Größe Adjusted EBIT, gebräuchlich sind auch normalisiertes EBIT oder bereinigtes Ergebnis; den Vorgang selbst nennt man EBIT-Bereinigung. Das Bewertungsgesetz führt für das steuerliche Verfahren eine Liste, die der Sache nach auch in der Praxis gilt. Typisch sind:

  • Kalkulatorischer Unternehmerlohn: Ein marktübliches Geschäftsführergehalt wird angesetzt, auch wenn es nie gezahlt wurde. Das Gesetz erlaubt ausdrücklich auch einen fiktiven Lohn für unentgeltlich mitarbeitende Familienangehörige.

  • Einmalige Erträge und Aufwendungen: der Verkauf einer Maschine, eine Versicherungsleistung, ein Rechtsstreit, eine Sonderabschreibung.

  • Privat veranlasste Posten: Fahrzeuge, Reisen, Versicherungen, Mitgliedschaften.

  • Verflechtungen mit dem Inhaber: Miete an die eigene Immobiliengesellschaft, Verrechnungspreise mit Schwesterfirmen. Darlehen von Gesellschaftern berühren das EBIT nicht, weil Zinsen darin nicht enthalten sind; sie spielen erst in der Equity Bridge eine Rolle.

  • Nicht betriebsnotwendiges Vermögen: Beteiligungen, Wertpapiere, ungenutzte Grundstücke. Sie werden aus dem Ergebnis herausgenommen und gesondert bewertet.

Wie stark wirkt die Bereinigung auf den Kaufpreis?

Der Punkt, der in der Praxis am meisten unterschätzt wird: Die Bereinigung wirkt nicht einmal, sondern mit dem Faktor multipliziert. Wird bei einem Faktor von 5 eine dauerhafte Belastung von 30.000 Euro im Jahr als nicht betriebsbedingt erkannt und herausgerechnet, verschiebt das den rechnerischen Wert um 150.000 Euro. Umgekehrt kostet ein übersehener zu niedriger Unternehmerlohn genauso viel.

Deshalb ist die Bereinigung der Schritt, an dem sich saubere Vorbereitung am unmittelbarsten auszahlt. Und es ist zugleich der Schritt, den die Gegenseite in der Prüfung am genauesten nachrechnet. Jede Bereinigung muss belegbar sein. Was sich nicht belegen lässt, wird gestrichen.

Was das praktisch bedeutet

Für Verkäufer

Die Bereinigung gehört vor das Gespräch mit Interessenten, nicht danach. Wer jede Korrektur mit einem Beleg unterlegen kann, also mit Mietspiegel, Gehaltsvergleich oder Rechnung, nimmt der Gegenseite das Argument. Und wer zwei, drei Jahre Zeit hat, kann die Posten gleich bereinigen statt sie nur zu erklären.

Für Käufer

Käufer rechnen jede Bereinigung nach und streichen, was nicht belegt ist. Besonders geprüft werden Positionen, die nach dem Verkauf wieder anfallen: Wenn der Inhaber bislang ohne Gehalt geführt hat, muss künftig jemand bezahlt werden.

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