Kalkulatorischer Unternehmerlohn
Auch: Unternehmerlohn · kalkulatorisches Geschäftsführergehalt
Kurz gesagt
Der kalkulatorische Unternehmerlohn ist das Gehalt, das eine fremde Geschäftsführung für die Arbeit des Inhabers bekäme. Soweit der Betrieb dafür bisher keinen marktüblichen Lohn verbucht, wird der fehlende Betrag für die Bewertung vom Gewinn abgezogen, auch bei einem Inhaber, der sich nie ein Gehalt gezahlt hat. Ohne diesen Abzug erscheint seine Arbeitskraft als Gewinn und hebt den Wert künstlich an.
Warum wird der Unternehmerlohn vom Gewinn abgezogen?
Viele Inhaber zahlen sich bewusst wenig aus: Geld bleibt in der Firma, private Kosten laufen über den Betrieb, die Altersvorsorge steckt in der Substanz. Betriebswirtschaftlich führt das dazu, dass die eigene Arbeitskraft nirgends als Aufwand auftaucht. Sie erscheint stattdessen als Gewinn.
Für einen Käufer ist das keine Ertragskraft, sondern eine offene Stelle. Er muss die Aufgabe entweder selbst übernehmen oder jemanden dafür bezahlen. Deshalb setzen alle gängigen Bewertungsverfahren an dieser Stelle einen marktüblichen Lohn an, bevor gerechnet wird.
Bemerkenswert ist, wie einig sich die Quellen hier sind: Das Bewertungsgesetz, die Hinweise der Bundessteuerberaterkammer zur Bewertung kleiner und mittelgroßer Unternehmen und das Bewertungshandbuch des Handwerks setzen denselben Abzug an, und alle drei beziehen auch mitarbeitende Angehörige ein, die bisher nicht oder nicht marktüblich bezahlt werden.
Wie hoch ist der kalkulatorische Unternehmerlohn?
Maßstab ist nicht die bisherige Entnahme, sondern das, was eine fremde Geschäftsführung für dieselbe Arbeit verlangen würde. Das Bewertungsgesetz formuliert genau so. Für Handwerksbetriebe beschreibt der AWH-Standard einen nachvollziehbaren Rechenweg: das Meistergehalt als Untergrenze, zuzüglich der Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung, zuzüglich eines Zuschlags für die unternehmerische Tätigkeit.
Bei einer GmbH ist das Gehalt des Gesellschafter-Geschäftsführers in der Regel schon als Aufwand gebucht. Maßstab ist dann ein kalkulatorisches Geschäftsführergehalt, also das marktübliche Gehalt, und bereinigt wird nur die Abweichung davon, in beide Richtungen: Ein Gehalt über dem Marktniveau, etwa aus steuerlichen Gründen, wird um den Überhang zurückgerechnet und erhöht das bereinigte Ergebnis. Beim Einzelunternehmen taucht der Lohn des Inhabers dagegen nirgends als Aufwand auf und wird voll angesetzt. Anhaltspunkte für die Höhe liefern nach den Hinweisen der Bundessteuerberaterkammer interne Betriebsvergleiche, statistische Untersuchungen von Branchenverbänden und Veröffentlichungen in Fachzeitschriften.
Zwei Fehler sind typisch. Der erste: einen Betrag anzusetzen, der sich am bisherigen Steuerbescheid orientiert statt am Markt. Der zweite: den Lohn für mehrere Personen zu vergessen. Wenn Ehepartner oder Kinder im Betrieb mitarbeiten, ohne marktüblich bezahlt zu werden, gehört auch dafür ein Ansatz in die Rechnung.
Was das praktisch bedeutet
Für Verkäufer
Der Ansatz senkt den rechnerischen Wert, deshalb wird er gern übersehen. Ihn vorwegzunehmen ist trotzdem der bessere Weg: Ein Käufer rechnet ihn ohnehin, und eine Bewertung, die ihn enthält, wirkt in der Verhandlung belastbar statt geschönt.
Für Käufer
Für Käufer ist die Position der erste Prüfpunkt jeder Verkäuferrechnung. Sie zeigt zugleich, wie stark der Betrieb am Inhaber hängt: Je mehr Aufgaben nur er erledigt, desto teurer wird sein Ersatz.
Geprüft an der Quelle
Die Höhe des Unternehmerlohns wird nach der Vergütung bestimmt, die eine nicht beteiligte Geschäftsführung erhalten würde.
Monatslohn für Meister (ggf. lt. Tarifvertrag) als Untergrenze […] Zuschlag für Rentenversicherung, Krankenversicherung, Pflegeversicherung (Arbeitgeberanteil) […] Zuschlag für Unternehmertätigkeit (unter Berücksichtigung von Mehrarbeit-, Urlaubs- und Weihnachtsgeld wird ein Zuschlag zwischen 20 % und 50 % empfohlen, abweichende Werte sollten ausführlich begründet werden)
Zentralverband des Deutschen Handwerks, AWH-Handbuch Version 5.3, S. 25
Auf den Ansatz von kalkulatorischen Vergütungen kann auch dann nicht verzichtet werden, wenn sich hierdurch negative finanzielle Überschüsse ergeben.
