EBIT-Multiple
Auch: Multiplikatorverfahren · Multiple · Kaufpreisfaktor · EBITDA-Multiple
Kurz gesagt
Ein EBIT-Multiple ist der Faktor, mit dem das bereinigte EBIT, also das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern, multipliziert wird, um den Unternehmenswert zu schätzen. Er wird aus Preisen und Preiseinschätzungen für vergleichbare Unternehmen abgeleitet. Das Ergebnis ist der Gesamtwert des Unternehmens, nicht der Betrag, den der Verkäufer für seine Anteile erhält.
Wie wird mit dem EBIT-Multiple gerechnet?
Die Mechanik ist schlicht: bereinigtes Ergebnis mal Faktor. Ein Beispiel: Ein bereinigtes EBIT von 200.000 Euro und ein Faktor von 5 ergeben einen Unternehmensgesamtwert von einer Million Euro. Bei 300.000 Euro Bankschulden und ohne überschüssige Liquidität bleiben für die Anteile 700.000 Euro. Das Vorgehen heißt Multiplikatorverfahren, der Faktor wird auch Kaufpreisfaktor genannt.
Anspruchsvoll ist alles davor und danach. Am Ende steht nicht der Kaufpreis, sondern ein Unternehmenswert. Drei Punkte entscheiden darüber, ob er brauchbar ist.
Die Bezugsgröße muss stimmen. Ein Faktor für EBITDA ist ein anderer als für EBIT, und beide gelten für bereinigte Ergebnisse. Wer einen EBITDA-Faktor auf ein EBIT anwendet, rechnet systematisch falsch.
Der Faktor muss zum Betrieb passen. Multiples unterscheiden sich nach Branche, nach Größe und nach Zeitpunkt. Je kleiner der Betrieb, desto niedriger der Faktor: Kleine Unternehmen hängen stärker an einzelnen Personen und Kunden, und der Käuferkreis ist schmaler. Dieser Größenabschlag ist keine Verhandlungstaktik, sondern eingepreistes Risiko.
Das Ergebnis ist nicht der Kaufpreis. Ein Multiple führt auf den Unternehmensgesamtwert. Was der Verkäufer für seine Anteile bekommt, ergibt sich erst nach Abzug der Finanzschulden und Hinzurechnung der Liquidität.
EBIT oder EBITDA: Welcher Faktor gilt?
Das EBITDA ist das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen, das EBIT das Ergebnis vor Zinsen und Steuern. Weil das EBITDA um die Abschreibungen höher liegt, ist ein EBITDA-Multiple für denselben Betrieb kleiner als ein EBIT-Multiple. Eine Faktorzahl ist deshalb nur zusammen mit ihrer Bezugsgröße vergleichbar. Der Rechner auf dieser Website arbeitet mit EBITDA-Faktoren und rechnet Ihr EBIT dafür zuerst um.
Warum Faktortabellen mit Vorsicht zu lesen sind
Im Netz kursieren zahlreiche Branchentabellen. Bekannte Übersichten mitteln Einschätzungen von M&A-Beratern und gemeldete Transaktionen; wie viele Verkäufe welcher Größenklasse dahinterstehen, bleibt meist offen, denn der deutsche Mittelstand veröffentlicht seine Kaufpreise nicht. Die KfW sieht in solchen Multiplikatoren zumindest einen Ausgangspunkt für die Verhandlungspartner. Auch der Unternehmenswert-Rechner dieser Website arbeitet mit solchen veröffentlichten Spannen. Er zeigt deshalb neben dem mittleren Wert auch die ganze Bandbreite.
Was sich sagen lässt: Die Kaufpreisvorstellungen im Mittelstand sind bescheidener, als die Debatte vermuten lässt. Das Nachfolge-Monitoring der KfW nennt für 2025 einen Median von 375.000 Euro. Die Hälfte der Nachfolgeplaner liegt also darunter. Das sind angestrebte, nicht erzielte Preise, aber sie ordnen die Größenklasse ein.
Was das praktisch bedeutet
Für Verkäufer
Wer mit einer Faktorzahl ins Gespräch geht, braucht dazu die Bezugsgröße und die Bereinigung. Ohne beides ist der Faktor nicht vergleichbar.
Für Käufer
Käufer setzen den Faktor auf das Ergebnis, das nach der Übergabe bleibt, also nach Unternehmerlohn und ohne Einmaleffekte.
Geprüft an der Quelle
Zumindest einen Ausgangspunkt für die beteiligten Verhandlungspartner können so genannte Multiplikatoren auf Basis von Expertenschätzungen oder / und tatsächlich realisierten Übergaben bieten.
KfW Research, Fokus Volkswirtschaft Nr. 526, Nachfolge-Monitoring Mittelstand (09.01.2026), S. 6
Der Median liegt bei 375.000 EUR […]
