Indikatives Angebot
Auch: unverbindliches Angebot · Indication of Interest · IOI · Non-Binding Offer · NBO · erstes Angebot
Kurz gesagt
Ein indikatives Angebot ist ein unverbindliches Angebot, mit dem ein Interessent auf Basis der bis dahin erhaltenen Unterlagen einen ersten Preis nennt, meist als Spanne. Es steht unter dem Vorbehalt der Prüfung und begründet keine Zahlungspflicht. Es ist ein Gesprächsangebot, keine Zusage.
Was steht in einem indikativen Angebot, und wie verbindlich ist es?
Im englischsprachigen Umfeld heißt es Indication of Interest (IOI) oder Non-Binding Offer (NBO). Typischerweise enthält ein indikatives Angebot eine Preisspanne oder einen Faktor, die Preisbasis (fast immer cash and debt free), Annahmen, auf denen die Zahl beruht, den geplanten Ablauf, die Finanzierungsstruktur und die Bedingungen, unter denen weitergemacht wird.
Was es nicht enthält, ist Verbindlichkeit. Der Interessent hat zu diesem Zeitpunkt weder die Bücher geprüft noch die Verträge gesehen. Seine Zahl beruht auf dem Exposé und einem Gespräch. Sie ist eine Einschätzung unter Vorbehalt.
Hält der Preis aus dem indikativen Angebot?
Für viele Inhaber ist ein erstes Angebot der Moment, in dem ein Fremder ihrem Lebenswerk eine Zahl gibt. Entsprechend stark wirkt sie. Genau deshalb lohnt die nüchterne Einordnung: Die Zahl ist ein Ausgangspunkt, und im Einzelverkauf bewegt sie sich erfahrungsgemäß eher nach unten als nach oben.
Zwischen indikativem Angebot und endgültigem Kaufpreis liegt die Prüfung, und aus ihr folgen häufig Abzüge: gefundene Risiken, zusätzliche Verpflichtungen, korrigierte Bereinigungen. Dazu kommt die Umrechnung vom Unternehmenswert auf den Anteilspreis, die bei verschuldeten Betrieben den Betrag weiter senkt. Wo mehrere Interessenten in einem Bieterverfahren konkurrieren, kann das verbindliche Angebot auch über dem indikativen liegen. Wer den indikativen Betrag als erwarteten Erlös in seine Lebensplanung einträgt, plant deshalb leicht zu hoch.
Wie vergleicht man indikative Angebote?
Aussagekräftiger als die Zahl selbst sind die Annahmen dahinter. Auf welches Ergebnis bezieht sich der Faktor, auf das ausgewiesene oder auf das bereinigte? Welche Posten gelten als Schulden? Ist die Finanzierung bestätigt oder erst geplant? Wie viel Zeit und welche Exklusivität wird verlangt?
Ein präzise formuliertes, etwas niedrigeres Angebot ist regelmäßig mehr wert als ein hohes mit vagen Annahmen, weil die Wahrscheinlichkeit größer ist, dass die Zahl am Ende hält.
