Letter of Intent (LOI)
Auch: LOI · Absichtserklärung · Term Sheet · Memorandum of Understanding · MoU
Kurz gesagt
Der Letter of Intent (LOI), auf Deutsch Absichtserklärung, hält fest, worauf sich Käufer und Verkäufer vorläufig verständigt haben und wie es weitergeht. Die Preisabsicht darin bindet in der Regel nicht, einzelne Klauseln aber sehr wohl, insbesondere Exklusivität, Vertraulichkeit und Kostentragung. Genau diese Unterscheidung wird oft übersehen.
Ist ein Letter of Intent verbindlich?
Ein Letter of Intent ist ein gemischtes Dokument, ebenso wie das verwandte Memorandum of Understanding (MoU) oder das Term Sheet, das die Eckpunkte meist nur stichwortartig auflistet. Der wirtschaftliche Teil des LOI, also Kaufpreisvorstellung, Struktur und Zeitplan, steht üblicherweise unter dem Vorbehalt der Prüfung und begründet keine Abschlusspflicht. Daneben stehen aber Regelungen, die vom ersten Tag an gelten sollen:
Exklusivität: Der Verkäufer verpflichtet sich, für einen bestimmten Zeitraum mit niemand anderem zu verhandeln. Das ist die folgenreichste Klausel: Sie nimmt dem Verkäufer für Wochen oder Monate den Wettbewerb und damit sein stärkstes Verhandlungsmittel.
Vertraulichkeit: meist als Verweis auf die bestehende Geheimhaltungsvereinbarung oder als eigene Regelung.
Kostentragung: wer die Kosten für Prüfung und Berater trägt, wenn die Gespräche scheitern. Welche Beraterkosten auch ohne Verkauf anfallen können, zeigt der Eintrag zur Lehman-Formel.
Abbruchregeln und Laufzeit: wann die Exklusivität endet und unter welchen Bedingungen sie sich verlängert.
Was gehört in einen Letter of Intent?
Der Letter of Intent ist der letzte Moment, in dem der Verkäufer noch Verhandlungsmacht hat: Der Interessent hat noch kein Geld für Prüfer ausgegeben, und andere Interessenten sind noch im Spiel. Danach kehrt sich das Verhältnis um.
Deshalb gehören alle Punkte hinein, die später schwer zu ändern sind, allen voran die Definition der Kaufpreisbrücke: Was gilt als Finanzschuld, was als überschüssige Liquidität, wie wird das Umlaufvermögen normiert? Wer diese Fragen erst nach der Prüfung stellt, verhandelt sie unter Zeitdruck und ohne Alternative.
Ebenso: der Umfang der Prüfung, der geplante Zeitplan bis zum Vollzug, die Behandlung von Mitarbeiterinformationen und die Frage, ob und wie lange der Verkäufer nach der Übergabe noch zur Verfügung steht.
Was das praktisch bedeutet
Für Verkäufer
Im Interesse des Verkäufers liegt eine kurze Exklusivität mit festem Enddatum und ohne automatische Verlängerung, gewährt erst auf ein indikatives Angebot hin, das den Aufwand rechtfertigt.
Für Käufer
Für Käufer ist die Exklusivität die Voraussetzung dafür, überhaupt Geld für eine Prüfung auszugeben. Je klarer der Zeitplan, desto geringer das Risiko, dass sie ungenutzt verstreicht.
