Lehman-Formel
Auch: Erfolgshonorar des M&A-Beraters · Lehman Scale · degressive Provisionsstaffel
Kurz gesagt
Die Lehman-Formel (englisch Lehman Scale) ist eine degressive Provisionsstaffel für das Erfolgshonorar des M&A-Beraters: Für jede weitere Million des Kaufpreises sinkt der Prozentsatz. Sie ist reine Marktübung ohne gesetzliche Grundlage. Bei kleinen Kaufpreisen greift nur die erste Stufe, und eine Mindestvergütung kann den effektiven Satz noch darüber heben.
Wie rechnet man mit der Lehman-Formel?
Die klassische Form staffelt in Millionenschritten absteigend, etwa fünf Prozent auf die erste Million, vier auf die zweite, drei auf die dritte, zwei auf die vierte und ein Prozent auf alles darüber. Verbreitet ist außerdem eine verdoppelte Variante mit zehn, acht, sechs, vier und zwei Prozent. Sie heißt Double Lehman und wird in kleineren Transaktionen verwendet.
Der wichtige Punkt liegt nicht in den Prozentsätzen, sondern in ihrer Wirkung auf kleine Kaufpreise. Bei einem Verkauf für 800.000 Euro liegt der effektive Satz nach der klassischen Staffel bei fünf Prozent, weil nur die erste Stufe greift. Bei acht Millionen sinkt er rechnerisch auf gut zwei Prozent. Dieselbe Formel belastet den kleinen Verkauf also mehr als doppelt so stark.
Bei kleineren Transaktionen im Mittelstand steht zudem häufig eine Mindestvergütung daneben. Sie entscheidet in der Praxis oft mehr über die Kosten als die Staffel selbst.
Woher stammt die Lehman-Formel?
Die Formel wird einer US-amerikanischen Investmentbank der 1970er Jahre zugeschrieben. Eine Primärquelle für diese Herkunft ließ sich nicht finden, und ebenso wenig eine Erhebung, die die heute üblichen Sätze im deutschen Mittelstand systematisch erfasst hätte. Wir geben die Staffeln deshalb als verbreitete Marktübung wieder und nicht als belegte Größe.
Was sich dagegen belegen lässt, ist die Rechnung: Der effektive Satz ergibt sich zwingend aus der Staffel und dem Kaufpreis. Genau diese Umrechnung fehlt in den meisten Darstellungen, und sie ist der Punkt, an dem ein Verkäufer die Angebote vergleichen kann.
Welche Kosten stehen neben dem Erfolgshonorar im Vertrag?
Das Erfolgshonorar ist selten der einzige Posten. Üblich sind daneben:
Ein monatliches Grundhonorar (Retainer) für die Dauer des Mandats, häufig auf das Erfolgshonorar angerechnet. Ob angerechnet wird, steht im Vertrag und ist verhandelbar.
Eine Mindestvergütung, die bei kleinen Kaufpreisen greift und die Staffel praktisch aushebelt.
Die Bemessungsgrundlage. Ob der Prozentsatz auf den Unternehmensgesamtwert oder auf den tatsächlich gezahlten Anteilspreis gerechnet wird, macht bei verschuldeten Betrieben einen erheblichen Unterschied.
Die Behandlung nachlaufender Zahlungen. Wird ein Earn-Out mitvergütet, obwohl er vielleicht nie fließt?
Eine Nachwirkungsfrist: Kommt es nach Mandatsende mit einem vermittelten Interessenten zum Abschluss, entsteht die Vergütung oft trotzdem.
Was das praktisch bedeutet
Für Verkäufer
Zwei Fragen machen Angebote vergleichbar: Wie hoch ist der effektive Satz bei dem Kaufpreis, den ich realistisch erwarte? Und welcher Betrag wird fällig, wenn gar nicht verkauft wird? Beide Antworten stehen selten im Angebot und immer im Vertrag.
Geprüft an der Quelle
Ist für den Nachweis der Gelegenheit zum Abschluss eines Dienstvertrags oder für die Vermittlung eines solchen Vertrags ein unverhältnismäßig hoher Maklerlohn vereinbart worden, so kann er auf Antrag des Schuldners durch Urteil auf den angemessenen Betrag herabgesetzt werden.
