Management-Buy-out (MBO)
Auch: MBO · Management Buy Out · Übernahme durch das eigene Management
Kurz gesagt
Beim Management-Buy-out kauft das eigene Führungsteam das Unternehmen. Der Käufer kennt Betrieb, Zahlen und Kunden bereits, was die Prüfung verkürzt und die Übergabe erleichtert. Der Preis liegt häufig unter dem eines externen Verkaufs, weil angestellte Führungskräfte selten viel Eigenkapital mitbringen.
Wie läuft ein Management-Buy-out ab?
Am Anfang einer Übernahme durch das eigene Management steht fast immer ein Gespräch unter vier Augen, nicht ein Verkaufsprozess. Der Inhaber spricht eine Führungskraft an oder umgekehrt. Danach folgt derselbe Weg wie bei jedem Verkauf: Bewertung, Absichtserklärung, Finanzierungszusage, Vertrag, Übergabe. Die Prüfung fällt kürzer aus, weil der Käufer den Betrieb von innen kennt.
Häufig übernimmt nicht eine einzelne Person, sondern ein Team aus zwei bis vier Führungskräften. Dann wird zusätzlich eine Gesellschaftervereinbarung gebraucht, die regelt, was bei Streit, Krankheit oder Ausstieg eines Beteiligten geschieht.
Warum ist die Prüfung beim MBO kürzer?
Normalerweise weiß der Verkäufer mehr über das Unternehmen als der Käufer. Beim Management-Buy-out ist dieses Gefälle kleiner, in einzelnen Bereichen kehrt es sich sogar um: Der Vertriebsleiter kennt die Wackelkandidaten unter den Kunden besser als der Inhaber, der Produktionsleiter den Zustand der Maschinen.
Das verkürzt die Due Diligence deutlich, hat aber eine Kehrseite. Was der Käufer vor der Unterschrift schon wusste, kann er hinterher kaum als Überraschung geltend machen. Für die gesetzlichen Mängelrechte regelt das § 442 BGB: Sie sind ausgeschlossen, wenn der Käufer den Mangel bei Vertragsschluss kannte. Für die vertraglichen Garantien entscheidet der Kaufvertrag, und beim Management-Buy-out liegt es im Interesse des Verkäufers, dass das Wissen des Managements Ansprüche ausschließt.
Wie wird ein Management-Buy-out finanziert?
Die typische Hürde ist nicht der Preis, sondern das Eigenkapital. Eine Führungskraft mit gutem Gehalt hat selten 200.000 Euro liquide. Banken verlangen aber einen spürbaren Eigenanteil, bevor sie den Rest finanzieren.
Geschlossen wird die Lücke meist aus mehreren Bausteinen: einem Förderkredit der KfW oder der Förderbank des Landes, einem Verkäuferdarlehen, mit dem der Verkäufer einen Teil des Preises stundet, einer Bürgschaft der Bürgschaftsbank des jeweiligen Bundeslandes, wenn Sicherheiten fehlen, und einem Earn-Out, der einen Teil der Zahlung an die künftige Entwicklung knüpft.
Dass der Verkäufer mitfinanziert, ist dabei kein Entgegenkommen, sondern übliches Vorgehen: Es signalisiert der Bank, dass der Verkäufer selbst an die Zahlen glaubt.
Welcher Interessenkonflikt entsteht beim MBO?
Solange verhandelt wird, bleibt der Käufer Angestellter des Unternehmens, das er kaufen will. Er führt den Betrieb, dessen Preis er gerade drückt. Diese Doppelrolle ist der heikelste Punkt des Verfahrens und der Grund, warum solche Gespräche häufig scheitern und danach auch das Arbeitsverhältnis belastet ist.
Üblich ist deshalb, früh zu klären, was passiert, wenn man sich nicht einigt, und die Verhandlung zeitlich eng zu begrenzen. Ebenfalls üblich: Der Inhaber lässt den Wert von dritter Seite ermitteln, damit die Zahl nicht aus der Hand dessen kommt, der sie gleich bezahlen soll.
Was das praktisch bedeutet
Für Verkäufer
Der Kreis der Kandidaten ist klein und schnell erschöpft. Vor dem Gespräch mit einer Führungskraft braucht es deshalb eine Vorstellung davon, wie es weitergeht, falls sie ablehnt. Ein gescheitertes Gespräch lässt sich nicht zurücknehmen.
Für Käufer
Die eigene Kenntnis des Betriebs ersetzt keine Prüfung der Unterlagen. Gerade bei Steuern, Altverträgen und Pensionszusagen weiß auch ein langjähriger Geschäftsführer oft weniger, als er glaubt.
