Working-Capital-Anpassung
Auch: Nettoumlaufvermögen-Anpassung · Working Capital Adjustment · Stichtagsanpassung
Kurz gesagt
Die Working-Capital-Anpassung gleicht das Nettoumlaufvermögen am Tag der Übergabe, also vor allem Vorräte und Kundenforderungen abzüglich Lieferantenverbindlichkeiten, gegen einen vorher vereinbarten Normalwert ab. Liegt es darunter, sinkt der Kaufpreis; liegt es darüber, steigt er. Die Klausel wirkt technisch, verschiebt den Preis aber nicht selten um fünf- bis sechsstellige Beträge.
Wie funktioniert die Working-Capital-Anpassung?
Zwischen Unterschrift und Übergabe liegen oft Wochen. In dieser Zeit könnte ein Verkäufer Umlaufvermögen zu Geld machen: Vorräte abbauen und nicht nachbestellen, Kundenrechnungen aggressiv eintreiben, Lieferantenrechnungen liegen lassen. Die Kasse wäre dann voller, und weil freie Liquidität bei einem Preis auf Cash-and-debt-free-Basis hinzugerechnet wird, stiege der Kaufpreis, obwohl der Betrieb dadurch nicht mehr wert geworden ist. Der Käufer müsste nach der Übergabe sofort Geld nachschießen, um wieder arbeitsfähig zu werden.
Die Anpassung verhindert das. Beide Seiten legen fest, welches Nettoumlaufvermögen für diesen Betrieb normal ist, üblicherweise als Durchschnitt der letzten zwölf oder vierundzwanzig Monate (Erfahrungswert). Am Tag der Übergabe, dem Vollzugstag, wird gemessen und die Differenz mit dem Kaufpreis verrechnet. Die Klausel heißt auch Nettoumlaufvermögen-Anpassung, Stichtagsanpassung oder englisch Working Capital Adjustment.
Wie wirkt sich der Vollzugstag auf den Kaufpreis aus?
Das Umlaufvermögen vieler Betriebe schwankt saisonal erheblich. Ein Handwerksbetrieb hat im Winter weniger offene Forderungen als im Herbst, ein Händler nach dem Weihnachtsgeschäft weniger Lager als davor. Fällt der Vollzugstag in ein Tal, entsteht eine Lücke zum Normalwert, und der Kaufpreis sinkt, obwohl niemand etwas falsch gemacht hat. Umgekehrt hebt ein Vollzugstag im saisonalen Hoch den Preis.
Drei Punkte entscheiden über das Ergebnis: der Zeitraum, aus dem der Normalwert gebildet wird, die genaue Definition, welche Posten dazugehören, und die Wahl des Vollzugstags. Alle drei sind verhandelbar, und alle drei werden in kleineren Transaktionen häufig ungeprüft aus einem Mustervertrag übernommen. Für den Verkäufer kommt ein Informationsnachteil hinzu: Die Abrechnung zum Vollzugstag stellt in der Regel der Käufer auf, dem der Betrieb dann bereits gehört. Wer die Abrechnung nach dem Vollzug ganz vermeiden will, vereinbart stattdessen eine Locked Box.
Was das praktisch bedeutet
Für Verkäufer
Den Verlauf des eigenen Nettoumlaufvermögens über zwei Jahre ansehen, bevor der Vollzugstag vereinbart wird. Wer die Saisonalität kennt, kann den Übergabezeitpunkt legen statt ihn zu erleiden.
Für Käufer
Für Käufer schützt die Klausel vor einem leergeräumten Betrieb. Wichtig ist, dass der Normalwert den tatsächlichen Bedarf abbildet und nicht nur einen Buchwert.
